Chronik


Diese erste Aufführung fand auf einem “ungestaffelten Grünhang vor der zufälligen Waldkontur des Spielhügels” statt. Im Jahr 1924 übernahm der Lehrer Wilhelm Korte, der bereits 1919 nach Nettelstedt gekommen war, die Spielleitung. Er bereitete den Boden für größere Volksstücke vor. Im Jahr 1925 wurde unter Mitwirkung des Turnvereins “Wallensteins Lager” aufgeführt. Im Jahr 1926 wurde in Eigenleistung der Spielgemeinschaft die Bühne ausgebaut, der Zuschauerraum auf 5.000 Plätze erweitert, der Hünenbrinkturm zur Hälfte erstellt und der Hünenbrinkweg befestigt.

Mit dem Stück “Götz von Berlichingen” wurde dann am 15. Mai 1927 das neu gebaute Kinderheim offiziell eingeweiht. In diesem Jahr kamen 75.000 Zuschauer auf den Hünenbrink. Nettelstedt wurde amtliche Laienspielberatungsstelle.

Zum im Jahr 1928 nochmals aufgeführten “Wilhelm Tell” kamen 113.000 Besucher; eine Besucherzahl, die nie wieder erreicht wurde. Der Erfolg der Aufführung brachte der Bühne den damaligen Titel Landesheimatspiele der Provinz Westfalen. Im Herbst fand eine Helgolandfahrt für die Mitwirkenden als Belohnung für den anstrengenden Sommer statt. Mit drei Bussen, vierzehn Last- und Lieferwagen startete man in eine unvergessene Reise, was insbesondere auf die Tatsache zurückzuführen war, dass die Überfahrt bei Windstärke neun stattfand.

Nach einer Einigung mit der Freilichtbühne Porta spielte man im Jahr 1929 nur viermal das Stück “Wittekind”. Die frei gewordene Zeit wurde genutzt, um den Turmbau zu vollenden. Am 4. August 1929 wurden die drei Glocken mit den Namen “Einigkeit”, “Recht” und “Freiheit” geweiht. Am 11. August 1929 fand anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Reichsverfassung eine amtliche Feier für den Kreis Minden Lübbecke auf dem Hünenbrink statt.

Im Jahr 1930 wurde dann das Stück “Wittekind” über den ganzen Spielsommer gespielt. Die Presse betitelte Nettelstedt damals als das “westfälische Oberammergau”. Der Student der Germanistik Hermann Schultze assistierte in diesem Jahr das erste Mal bei der Inszenierung. Im Jahr 1931 stieß Hermann Griebel zur Nettelstedter Spielgemeinde. Nach der Rückkehr aus dem Krieg studierte Hermann Griebel als Werkstudent in München und arbeitete danach als Dramaturg und Bühnenbildner am Meininger Landestheater. Im Anschluss daran war er drei Jahre lang Leiter der Freilichtspiele in Bentheim. Für das im Jahr 1931 aufgeführte Stück “Reineke Fuchs”, zu dem 56.000 Zuschauer kamen, mussten fast hundertundfünfzig Tierkostüme gefertigt werden.